Von der Leidenschaft zu schreibenSabine Cassar-Alpert veröffentlicht ihre erste Novelle „Mein Mann hat mich gebracht“, erklärt Sabine Cassar-Alpert beinahe entschuldigend und legt ihren Motorradhelm aus der Hand. Mit gespreizten Fingern streicht sie sich durchs Haar und zupft ihren blonden Pagenkopf zurecht. Zierlich ist sie, die 47-Jährige, fast mädchenhaft will man meinen. Mit scheuen Gesten nimmt sie Platz und bestellt einen Kaffee – ihr Lieblingsgetränk.
Hier, in der kleinen Snack-Bar an der Promenade von Xlendi mit dem traumhaften Blick auf die seicht vor sich hin dümpelnden bunten Fischerboote, kommen wir ins Plaudern: Ach her je, 23 Jahre ist das schon her, dass sie zum ersten Mal hierher kam. Eigentlich ein reiner Zufall: Drei Freundinnen hatten sie überredet nach Gozo zu fliegen, weil die Vierte im Bunde kurzfristig abgesprungen war. Eine folgenschwere Entscheidung - sollte der Spontanurlaub doch das komplette Leben der gebürtigen Berlinerin auf den Kopf stellen. „Meinen Mann habe ich in unseren letzten Urlaubstagen kennen gelernt“, erzählt Sabine Cassar-Alpert aus dem Nähkästchen. Da war es auch schon um beider Herzen geschehen. Schnell folgten weitere Besuche auf Gozo. Kaum ein Jahr vergeht, bis die gelernte Sekretärin ihre Zelte in Berlin abbricht und ganz nach Gozo zieht. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1986 findet Sabine Alpert-Cassar Arbeit als Reiseleiterin. Sie wird in verschiedenen Hotels als Reservations- und Front-Office-Managerin eingesetzt. Ihr Ding ist das nicht. „Nach 19 Jahren im Tourismus-Geschäft wusste ich, jetzt ist Schluss“, resümiert sie und nippt an ihrem Kaffee. Was nun folgt kommt einem Befreiungsschlag gleich: Sabine Cassar-Alpert tut endlich das, wovon sie schon ihr Leben lang träumt. Sie schreibt. Erste Beiträge werden in der Times of Malta veröffentlicht. Auch beim kurzen Intermezzo der Gozo-Times – einer Beilage des renommierten Blattes von der Hauptinsel (die nach wenigen Ausgaben 2006 wieder eingestellt wird) – ist sie mit von der Partie. Im September 2005 fungiert sie als Mitherausgeberin des „Gozo Plus“-Magazins, einem Journal mit Lesegeschichten rund um Gozo, das im aufwendigen Offset-Druck alle Haushalte der Insel erreicht. Zwei weitere Ausgaben tragen ihre Handschrift, kommende sollen folgen. Seit Dezember vergangenen Jahres ist Sabine Cassar-Alpert zudem Kolumnistin des First Magazins, einer monatlichen Beilage der Malta Independent. Kaum zu glauben, dass bei all diesen Aktivitäten Zeit genug für ihr erstes Buch blieb. „Angelina`s Ghost habe ich eigentlich aus reiner Langeweile angefangen zu schreiben“, verrät sie bescheiden. Sie habe gerade kein neues Buch zur Hand gehabt, und die alten habe sie nicht noch ein zweites Mal lesen wollen. „Das Schreiben ging mir eigentlich ganz leicht von der Hand“, erinnert sie sich. Wenige Monate vergehen, bis ihre erste Novelle im Eigenverlag bei JDB Printing in Nadur in Druck geht. Mehrere hundert Exemplare sind seither verkauft. Obwohl - und das mag verwundern - die Geschichte in englischer Sprache erzählt ist. Nach über 20 Jahren auf der Insel habe sie ihr deutsches Vokabular teilweise verlernt. Eine deutsche Fassung des Buches liege zwar bereits in ihrer Schublade, diese müsse jedoch noch stark überarbeitet werden, meint die Autorin. „Vielleicht sollte ich einfach mal ein paar deutsche Verlage anschreiben und ihnen mein Buch zur Veröffentlichung vorschlagen“, überlegt Sabine Cassar-Alpert laut. Eine gute Idee - würden Malta- und Gozo-Freunde im fernen Germanien eine Veröffentlichung auf Deutsch sicherlich dankend zur Kenntnis nehmen. |