Gozo-Journal
Das Magazin zur Insel der Calypso
Malen auf Gozo

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Mit Zeichenblock, Pinsel und Kreiden

Kreative Workshops im Klostergarten

Von Kerstin Himmelmann

Beruhigend plätschert das Wasser im Springbrunnen, Singvögel zwitschern in einer Voliere, die Sonne lacht. Marion Kaifer sitzt inmitten eines kleinen Idylls. Umrahmt von Softkreiden und Arbeitsblättern zeichnet sie im Klostergarten des Santu-Wistin Kunvents die Umrisse eines farbenfrohen Blumen-Stillleben auf weißen Karton.

 reMarion Kaifer malt und genießt: Im ärmellosen Top und nackten Füßen tankt sie jetzt - Anfang November - bei ihrem Malworkshop auf der Insel Gozo noch einmal richtig Sonne. „Ich hoffe, ich kann ein bisschen von der Wärme hier in den deutschen Winter mit hinüber retten“, sagt sie und reckt ihr Gesicht in die milde Mittagssonne. Mit ihr sind weitere fünf Frauen kreativ auf Gozo. Auf kleinen Steinbänken und Gartenmöbeln sitzen sie in loser Runde inmitten von goldgelben Kürbissen, Kartoffeln und Karotten, die die Augustinermönche zum Eigenverzehr anbauen. Die Stimmung ist gelöst. „Zum Arbeiten ist das toll hier“, ist die einhellige Meinung. 

ztInmitten des farbenfrohen Arrangements aus aufgeschlagenen Zeichenblöcken, Kreiden, Stiften und Pinseln wandelt Trees Buntenbach, die Initiatorin des ersten Zeichen- und Mal-Workshops im Augustiner-Kloster in Victoria. Ihr Kleid in frischen Orange-Tönen leuchtet nicht minder als die Blumen und Ornamente, die auf den Blöcken ihrer Schülerinnen entstehen. Ab und an wirft sie einen prüfenden Blick über Schultern, gibt Tipps und nimmt auch mal selbst die Kreide in die Hand, um mit einem gekonnten Strich mehr Struktur ins Bild zu bringen. Freude und Konzentration spiegeln sich in ihrem Gesicht. Trees Buntenbach ist voll in ihrem Element. 

„Mein Leben lang habe ich davon geträumt, Zeichnen und Malen unter südlicher Sonne unterrichten zu dürfen“, gesteht sie. Jetzt erfüllt sich dieser Traum. Nach einem ersten Kurzbesuch auf Maltas kleiner Schwesterinsel über Weihnachten 2006 stand für die gelernte Krankenschwester mit langjähriger Erfahrung im maltherapeutischen Bereich schnell fest, dass sie hier die richtige Umgebung für ihre Workshops finden sollte. Bald waren alle nötigen Kontakte geknüpft und ein Ferienhaus in der Nähe des Klosters angemietet. Die Resonanz auf ihre Idee, Malen im Kloster anzubieten, stieß auf so gute Resonanz, dass spontan eine dritte Workshopwoche ins Leben gerufen werden musste. 

re„Die Ruhe hier und das schlichte Ambiente im Kloster tun mir richtig gut“, schwärmt die gebürtige Niederländerin. „Es erinnert mich hier alles sehr an meine Kindheit – die Zeit scheint stehen geblieben zu sein“, stellt sie fest. Sehr angetan sei sie auch von dem freundlichen und zuvorkommenden Wesen der drei Augustiner-Mönche, die das Klosterleben bis heute aufrechterhalten. Ohne Muss und Zwang werden Klostergäste dazu eingeladen, sich in das Leben im Konvent einzubringen und an gemeinsamen Messen teilzunehmen.

 Ein Angebot, das auch Marion Kaifer gerne angenommen hat: „Ich habe hier wirklich ein Stück weit zu meinem Glauben zurück gefunden“, gibt sie zu. Es ist, als habe die kreative Arbeit im geschützten und freundlichen Umfeld des Klosters die Pforten zu einer längst vergessen geglaubten Seelentiefe geöffnet. Nach langen Jahren, in denen sie der Kirche den Rücken gekehrt hatte, findet Marion Kaifer hier auf Gozo endlich wieder Zugang zur Messfeier und empfindet dies als echte Bereicherung in ihrem geistigen Leben. 

„Das Wetter, die freundliche Atmosphäre hier im Kloster und unsere Unterkunft – es hat eigentlich alles gepasst“, resümiert sie. „Ich bin wirklich zur Ruhe gekommen, und werde sicherlich nicht das letzte Mal auf Gozo gewesen sein.“ztur







Autorenporträt
Malen auf Gozo